Im Prozess gegen die mutmaßliche frühere RAF-Terroristin Daniela Klette ist heute am Landgericht Verden das Urteil gefallen. Klette wurde zu 13 Jahren Haft verurteilt.
Im Prozess gegen die mutmaßliche frühere RAF-Terroristin Daniela Klette ist heute am Landgericht Verden das Urteil gefallen. Klette wurde zu 13 Jahren Haft verurteilt.
Ja natürlich
Das geht schlicht einfach nicht. Das ganze medizinische und psychologische Wissen der Menschheit reicht dafür nicht aus. Man kann allerhöchstens das Leiden etwas lindern durch Therapie und Unterstützungsleistungen usw. Aber ein erfülltes Leben so wie vorher bzw. im unbelasteten Zustand lässt sich niemals wiederherstellen. Und das hängt auch nicht in erster Linie an der Arbeitsfähigkeit, sondern andersrum die AU kommt weil der Mensch kaputt ist.
Beantwortest du mir noch, warum? Ich hätte Opferung von Menschenleben eher so gelesen, dass Leute gestorben sind. Die leben ja aber noch.
Opfern bedeutet etwas oder jemanden zum Opfer machen. Die Gesundheit des Wachmanns ist halt von Frau Klette für ihre eigenen Interessen geopfert und damit sein Leben unwiederbringlich zerstört worden. Da passt doch “geopfert” dem Wortsinn nach ganz gut. Auch wenn man danach noch atmet kann man doch trotzdem Opfer bzw. geopfert worden sein? Wenn das Leben unwiederbringlich zerstört wurde, dann spielt es für den Opferstatus doch keine Rolle ob die Person jetzt ein traumatisierter Pflegefall oder ganz tot ist?
Der Duden hat noch mehr Definitionen. Zum Beispiel “sein Leben für jemanden ganz einsetzen”, um mal aufzuzeigen dass der Begriff auch ohne Todesfolge funktioniert.
Ist das Leben wirklich unwiederbringlich zerstört wenn die Person nicht mehr als Wachmann arbeiten kann?
Also irgendwie finde ich das etwas ableistisch. Jemand den ich kenne ist in einem Autounfall querschnittsgelähmt worden und lebt sein Leben auch noch, die Person sagte mir mehrfach dass sie froh ist, nicht dabei gestorben zu sein und ihr der Rollstuhl 100x lieber wäre.
So können sich die Ansichten unterscheiden. Ich hoffe einfach mal, dass die Menschen, die ein Trauma als Lebensende sehen, niemals ein Trauma erleiden, und dass der Wachmann das anders sieht.
Das Wachpersonal wurde nämlich laut Klette auch unzureichend versorgt:
Und Urlaub zur Erholung wurde unterbunden:
Quelle: https://www.jungewelt.de/artikel/523153.ungekürzte-fassung-des-plädoyers-von-daniela-klette-vor-dem-landgericht-verden.html
Nein, das Leben ist unwiederbringlich zerstört wegen dem Trauma und PTBS. Das hat mit der Arbeit erstmal nichts zu tun, außer das man mit Trauma und PTBS natürlich nicht arbeiten kann was in der Situation auch nicht hilfreich ist. Das ist aber nicht das Kriterium oder die Ursache dafür, dass das Leben zerstört ist.
Und ich wette ohne Unfall wäre es ihm noch lieber? Dieser Teil des Lebens ist aber nunmal unwiederbringlich zerstört und die Einschränkungen bleiben auf immer.
Es bleibt trotzdem ihre Verantwortung, sie hat die Tat begangen, hat ja auch genau nichts unternommen um die Versorgung der Leute zu gewährleisten, sich auch nicht informiert wie die Abläufe sind und ob die Leute im Nachgang schnell einen Therapeuten bekommen oder nicht. Da hat sie überhaupt nicht drüber nachgedacht, das ging ihr komplett am Hintern vorbei. Da kann man die Schuld jetzt nicht auf andere und schon gar nicht auf die Ersthelfer oder das medizinische Personal abwälzen. Sie hat durch ihre Tat die Situation verursacht und niemand sonst. Und wenn nach ihr niemand rechtzeitig da ist um die traumatisierten Leute einzusammeln und den Schaden den sie angerichtet hat aufzuarbeiten, dann ändert das daran überhaupt nichts.
Ich kenne genug Leute mit Traumata und PTBS (2x PTBS, 1x kPTBS) um zu wissen, dass das Leben danach nicht “zerstört” ist. Ich finde es menschenverachtend und ableistisch, das Leben von Behinderten und Traumatisierten als “nicht lebenswert” abzustempeln.
Na ja, shit happens oder so. Toxische Positivität ist natürlich auch fehl am Platz, natürlich wäre es der Person lieber, aber die Vergangenheit lässt sich leider nicht ändern.
In welcher Welt sind mutmaßliche Täter für die Versorgung von Opfern verantwortlich? Das hat gefälligst der Arbeitgeber und das Gesundheitssystem (u.A. die Krankenkasse, Berufsgenossenschaften etc) zu leisten. Wenn ich von jemandem ausgeraubt werden würde (ist mir privat schon passiert, nur ohne Trauma), würde ich doch nicht zum Täter gehen, sondern zu Rechtsstaat, Ärztinnen und Therapeutinnen. Anscheinend haben im vorliegenden Fall alle der genannten Institutionen versagt.
Irgendwie habe ich langsam den Verdacht, dass hier manche Menschen ganz schön weit von der Realität entfernt leben. Erst ist ein Trauma ein Todesurteil und die Menschen siechen anscheinend nur noch dahin, dann soll eine mutmaßliche Täterin plötzlich die Therapie von Opfern organisieren.
Schade, dass die traumatisierten Menschen so wenig Unterstützung bekamen.
Ich denke, Frau Klette stimmt Dir dabei zu, dass Wachpersonal hier Leidtragende sind:
Und auch Garweg lässt laut Klette verlauten:
Quelle: https://www.jungewelt.de/artikel/523153.ungekürzte-fassung-des-plädoyers-von-daniela-klette-vor-dem-landgericht-verden.html
In der Medizin und Psychologie wird extrem viel zu Traumabewältigung und sowas geforscht, aber was du dir vorstellst geht halt einfach bisher nicht. Auch in der Wissenschaft und in der menschlichen Natur gibt es halt Grenzen. Das liegt nicht an zu wenig Unterstützung, alle Unterstützung der Welt kann das nicht ändern.
Bloß war ihr die eigene finanzielle Versorgung halt wichtiger, sonst hätte sie die Taten ja nicht begangen. Es war ja nicht ohne Alternative, sie hätte andere Mittel finden können, zum Beispiel arbeiten, vielleicht im Ausland wo man sie nicht so intensiv sucht. Oder halt einfach sich stellen bei der Polizei und freiwillig einfahren. Hat sie aber nicht, das Leid des Wachpersonals war ihr lieber als Einschränkung für sich selber.
Das ändert nichts daran, dass die mutmaßlich von der RAF traumatisierten Menschen zu wenig Unterstützung bekamen.
Wild, wie du Indizienbeweisen glaubst, und so viel mehr Ahnung von dem Fall zu haben scheinst als ich, ohne konkret zu werden.
Ich sage nicht, dass sie es nicht war, aber soweit ich das beurteilen kann gibt es erhebliche Zweifel, dass eine eindeutige Beteiligung bewiesen ist. Gehe mal davon aus, dass die Anwälte in Berufung gehen. Das wird ne Weile dauern, bis wir da die vollständige Wahrheit kennen, wenn überhaupt.
Netter Austausch, also abgesehen davon dass du denkst ich würde zu dumm sein dich zu verstehen, oder irgendwie keine Ahnung von Traumatherapie haben. Ich halte mich ab sofort zurück, da ich keinerlei Mehrwert aus dieser Diskussion ziehe außer Belustigung, aber danke dafür, dass du höflich geblieben bist.