she/her

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Cake day: August 3rd, 2023

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  • Eine Menge der Kommentare hier, inklusive deinem, sind perfekte Beispiele von #NotAllMen. Das ist bestimmt nicht böse gemeint, das will ich auch gar nicht unterstellen, es zeugt aber von mangelnder Reflektion. Der Autor geht ja schon selber darauf ein:

    Ein Anfang wäre es nach statistischem Stand der Dinge tatsächlich schon, kein komplettes Arschloch zu sein. Soll heißen: Das Problem nicht zu bagatellisieren. Nicht die Mitschuld beim Opfer zu suchen. Männliche Gewalttäter nicht zu schützen. Ausreichend ist das nicht, sondern, sollte man meinen, ein zivilisatorisches Mindestmaß. Pars-pro-Toto-Entschuldigungen für das eigene Geschlecht machen auch nichts besser, sie sind allenfalls anbiedernd. Tatsächlich aus Rücksicht nachts die Straßenseite zu wechseln, mag als Provisorium helfen, mehr aber nicht.

    Es ist natürlich nicht so, dass jeder Mann, oder sogar eine Mehrheit von Männern, gewalttätig gegenüber Frauen ist. Das wirft der Autor auch gar nicht vor. Es ist aber ein nennenswerter Teil, und genug weitere, die das Problem als unbedeutend abtun, das sich Frauen in vielen Lebenssituationen nicht sicher fühlen können. Und da ist es absolut die Verantwortung aller Männer, etwas dagegen zu tun. Klar ist der Titel reißerisch, aber die konsequente Abwehrhaltung, die sich in diesem Thread offenbart, zeigt eben, dass das Problem tief sitzt.

    Es gab ja in den letzten Monaten das Social-Media-Meme, “Würdest du lieber alleine im Wald sein mit einem Bären oder einem Mann”, das m.M.n. ziemlich bezeichnend ist für das Problem. Auch nicht jeder Bär ist aggressiv, in Gegenteil, nur ein winziger Teil von Wildtierbegegnungen enden tragisch, trotzdem ist eine pauschale Angst vor Bären ja nachvollziehbar. Und doch war für viele Frauen die Antwort klar, lieber der Bär. Im Gegensatz zu Bären sind Männer allerdings vernunftbegabt, und können moralisch zur Rechenschaft gezogen werden. Es ist also wichtig, dass diese gesellschaftliche Apathie zu Femiziden, gerade von anderen Männern, nicht fortdauert, und dazu gehört selbstverständlich auch, dass Männer, die zu ‘den Guten’ gehören und nie selbst gewalttätig waren oder sind, sich aktiv an diesem Prozess beteiligen. Auch da hat der Autor was zu zu sagen:

    Vielleicht wäre es ein Anfang, sich als Mann von dieser Wut angesprochen zu fühlen. Ihr zu glauben. Ohne Beteuerungen, dass man selbst ganz super sei und sowieso niemanden kenne, der so ist. Tatsächlich ist es höchstwahrscheinlich, dass jeder Mann einen anderen kennt, der schon einmal übergriffig oder gar gewalttätig gegenüber einer Frau wurde.
    Sich angesprochen zu fühlen, bedeutet aber auch: Das Problem nicht bei der erstbesten Gelegenheit auszulagern. Was damit gemeint ist, kann man in so gut wie jeder Social-Media-Kommentarspalte sehen, wenn dort über Gewalt gegen Frauen berichtet wird: Schuld sind nach dieser Erzählung schnell irgendwelche Barbaren aus fremden Ländern, Femizide werden als Ehrenmorde gelabelt oder als das Resultat von Einwanderung aus frauenfeindlichen Kulturen.

    Also: Auf Frauen hören, die eigenen Freunde und Bekannten konfrontieren, wenn sie Gewalt an Frauen verharmlosen, und, grundsätzlich, kein Arschloch sein.

    Und wenn diese Aufforderung an Männer, ihr und anderer Männer Verhalten zu reflektieren und ggf. daran zu arbeiten, es zu korrigieren, damit auch Frauen sich in der Gesellschaft sicher fühlen können, genug ist, sie schaarenweise in die Hände von AfD und co. zu treiben, dann gab es wohl doch mehr Männer als gedacht, die Teil des Problems sind. Aber ich bin da optimistisch, dass das nicht der Fall ist. Aber selbst wenn, das Problem wegzuignorieren wird uns auch nicht helfen, die Faschisten loszuwerden. Im Gegenteil, die Faschos werden so oder so ihr Kulturkampfthema finden. Das sollte uns nicht einschüchtern, über gesellschaftliche Probleme zu reden.